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MIS-Workshop 2014 – Interkulturalität als disziplinenübergreifendes Konzept

foto1Am 5. November 2014 veranstaltete der Schwerpunktbereich einen internationalen Workshop. Unter dem Thema „Interkulturalität als disziplinenübergreifendes Konzept. Ansätze – Anwendungen – Desiderata“ zielte die Veranstaltung auf verschiedene Ansätze von Interkulturalität in den Disziplinen Linguistik, Germanistik, Geschichte, Soziologie und Philosophie. Außerdem wurden Potentiale der Interkulturalitätsbegriffe diskutiert und kritisch bewertet. Eingeladen waren Referenten aus verschiedenen Ländern und akademischen Kulturen.

 

Anil Bhatti (Jawaharlal Nehru Universität New Delhi)
Ähnlichkeit und Differenz in einer Migrationswelt. Aspekte von Kulturproduktion und Kulturtheorie heute

Mike Byram (Durham University)
Competence-based approach(es) to Interculturality in Education and Criticality

Johannes Meyer-Hamme (Universität Paderborn)
Diversity of histories. Historical thinking skills in intercultural perspective

Fred Dervin (University of Helsinki)
Interculturality beyond culture: Does it make sense?

Manfred Weinberg (Karls-Universität Prag)
Interkulturalität als Projekt

›Ähnlichkeit‹ und ›Interkulturalität‹ als Leitbegriffe

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Anil Bhatti, Neu Delhi

Als zentraler Terminus kristallisierte sich im Laufe des Workshops der Begriff der ›Ähnlichkeit‹ (›similarity‹) heraus, den Anil Bhatti (Neu Delhi) im ersten Vortrag als Suchbegriff ins Feld führte. Während ›Interkulturalität‹ für Bhattis Konzept der Verflechtung und Überlappung keine Rolle spielte, wurde er von Mike Byram (Durham) ins Zentrum seines Vortrags gestellt, und zwar als spezifische Kompetenz im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts. Ebenfalls mit der Frage der Vermittlung, jedoch aus geschichtsdidaktischer Perspektive, befasste sich Johannes Meyer-Hamme (Paderborn) in seinem Vortrag. Er verwies zunächst auf die bestehende Forschungstradition zum Themenkomplex ›historisches interkulturelles Lernen‹, hob jedoch hervor, dass umfassendere Untersuchungen nach wie vor ein Forschungsdesiderat darstellen. Fred Dervin (Helsinki) problematisierte den Begriff ›Interkulturalität‹ in seinem Vortrag: Er sei polysemisch, veraltet und stets in Gefahr, mit einem geschlossenen Kulturkonzept identifiziert zu werden. Dennoch sprach sich Dervin für ein Festhalten am Interkulturalitätsbegriff aus und entwickelte einen Idealtypus des ›Interkulturalisten‹.

Neubefragung des Begriffs ›Interkulturalität‹

Von Manfred Weinberg (Prag) schließlich wurde die Tagung mit einer Neubefragung des Begriffs ›Interkulturalität‹ zum Abschluss gebracht und zugleich eine neue Perspektive für die Interkulturalitätsforschung eröffnet: Das Konzept der Grenze als ›border‹ sei für interkulturelle Raumkonzepte zu eng gefasst, weshalb der Begriff der ›Grenze‹ durch das Raum-Modell des Horizonts zu ersetzen sei. Im Horizont, der keinen von einer Grenze umzirkelten Raum meine, sondern vielmehr einen Raum, für den das Zustandekommen stabiler Einheiten und Grenzziehungen immer wieder aufs Neue diskutiert und erklärt werden müsse, lassen sich instabile Einheiten, vorübergehende Grenzen, Vermischungen und Verschiebungen denken.

Ausblick: ›Narratologie der Interkulturalität‹

Im Workshop wurden Unterschiede in Definition und Anwendung des Interkulturalitätsbegriffs ebenso manifest wie bemerkenswerte Überschneidungen: Neben der Operation mit einem offenen Kulturbegriff und dem übereinstimmenden Verständnis von Kultur als plurale tantum erwiesen sich ›Ähnlichkeit‹ und ›Verflechtung‹ als zentrale Termini. Daneben wurden wiederholt narrative Lesarten von Kultur sichtbar, was Dieter Heimböckel in seinem Schlusswort dazu veranlasste, das Forschungsfeld einer ›Narratologie der Interkulturalität‹ als mögliche Zukunftsperspektive zu benennen.

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