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Call for Paper – Mehrsprachigkeit als Migration

Das 4. Symposium der Key Area MIS diskutiert Mehrsprachigkeit als grenzüberschreitende Bewegung. Texte sowie historische und kulturelle Kontexte, auf die sie sich beziehen, werden dabei als Schauplätze der Interaktion zwischen unterschiedlichen sprachlichen Verfahren verstanden.
Das Symposium findet am 3./4. Juli 2017 statt und richtet sich an Literatur-, Sprach-, Sozial- und Kulturwissenschaftler. Vortragsvorschläge können bis zum 31.3.17 eingereicht werden.

 

 

Call for Paper als Download hier

Das 4. Symposium des Schwerpunktbereichs „Migration und Interkulturelle Studien (MIS)“ der Universität Luxemburg unternimmt den Versuch, Mehrsprachigkeit als Migration zu beschreiben. Es geht somit um Mehrsprachigkeit als grenzüberschreitende Bewegung, wobei Grenzen nicht exklusiv territorial zu verstehen sind. Die Beschreibung von Mehrsprachigkeit als Migration leistet es, die beteiligten ‚Idiome‘ (im weitesten Sinne des Wortes) nicht als feststehende, wohldefinierte Einheiten vorauszusetzen, sondern als Gebilde in Bewegung zu verstehen und zu beschreiben. Damit werden sowohl Texte als auch die historischen und kulturellen Kontexte, auf die sie sich beziehen, als Schauplatz der Interaktion zwischen unterschiedlichen sprachlichen Verfahren deutbar. Wenn man schließlich die sprachliche Herstellung und Zuweisung von Bedeutsamkeit, also von kommunikativer Relevanz, in ihrer Kontingenz als ein Moment von Kultur versteht, lässt sich vielleicht sogar noch mehr erreichen: Denn dann sind Texte, die unterschiedliche Idiome und damit auch unterschiedliche Verfahren der Produktion von Bedeutsamkeit in Beziehung bringen, ein priorisierter Ort der politischen Auseinandersetzung darüber, wie Gesellschaft mit Kultur und mit Kulturdifferenzen umgehen soll. Eine solche Beschreibung von Texten (im weitesten Sinne) als Ort politischer Auseinandersetzung über Kulturdifferenz kann gelingen, wenn Mehrsprachigkeit über ihre Träger ‚dingfest‘ gemacht wird, d.h. sowohl über einzelne Texte oder Artefakte/Performances als auch historische Semantiken oder Diskurse.

Mehrsprachigkeit selbst versteht das Symposium als die Vielfalt von Verfahren zur Erzeugung von Bedeutsamkeit, womit Mehrsprachigkeit z.B. dann gegeben wäre,

  • wenn soziale Praktiken des Code-Switching stattfinden oder sich Kontaktsprachen konstituieren; wenn in (literarischen) Texten Wörter aus unterschiedlichen Dialekten oder standardisierten Nationalsprachen verwendet werden;
  • wenn in einer Performance unterschiedliche Bildsprachen oder andere Formen der symbolischen Verständigung vermischt werden;
  • oder wenn historische Semantiken auf Strukturen und Elementen unterschiedlicher sprachlicher und kultureller Provenienz aufbauen.

Als Migration wiederum gilt dem Symposium die grenzüberschreitende Bewegung sprachlicher oder kulturell markierter Strukturen und Elemente selbst. Häufig ist diese Bewegung an die Bewegung von Menschen gebunden, aber sie kann auch medial vermittelt sein. So können beispielsweise literarische Texte Formen der Sprachmischung betreiben, die auf die Migration ihrer Autoren von einem Sprachgebiet in ein anderes verweist. Solche sprachhybride Texte entziehen sich in der Regel festen kulturell-linguistischen Zuschreibungen und verweisen damit auf die Redundanz traditioneller sprachtaxonomischen Eingliederungen. Ebenso ist es aber denkbar, dass die Auseinandersetzung mit einer anderssprachigen Tradition zu umfassenden Zitaten oder Formübernahmen führt, die sich dann als Spielarten ästhetischer Migration beschreiben lassen. Insofern kann Migration unterschiedliche Formen der Bewegung ausprägen und unterschiedliche Richtungen und Grade der Fixierung aufweisen – die sich am empirischen Material als Pfade der Umdeutung und Transformation nachzeichnen lassen.

Die Untersuchung der Sprachbewegungen in und durch Texte/Artefakte/Performances und historische Semantiken lässt sich auch in Beziehung setzen zu unterschiedlichen Formen der menschlichen Migration und zu den kulturpolitischen Konstellationen, die sich aus ihr ergeben. Mehrsprachigkeit gerät so als ein dynamisches Geschehen in den Blick, das auf sehr unterschiedliche Weise im Bezug zum soziokulturellen Kontext steht.

Gesucht werden einerseits Beiträge, die versuchen, aus der Beschreibung von Mehrsprachigkeit als Migration philologischen Gewinn zu ziehen, die also eine Abschätzung der Verfahren und Effekte von (im weitesten Sinne) künstlerischer Mehrsprachigkeit unternehmen. Andererseits wird der Einbezug kulturwissenschaftlicher und soziolinguistischer Ansätze im weiteren Sinne angestrebt, so dass Sprachbewegung auch auf der Ebene von historischen Semantiken und Diskursen, von Kultur(en) und Gesellschaft(en) beschrieben werden kann. Schließlich möchte das Symposium dazu anregen, die Verbindung zwischen diesen beiden Betrachtungsebenen zu suchen.

Interessierte Teilnehmer werden gebeten, einen kurzen Abstract mit maximal 3.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen) bei Till Dembeck (till.dembeck@uni.lu) einzureichen.

Gerne übernimmt der Schwerpunktbereich „Migration und Interkulturelle Studien (MIS)“ (www.mis.lu) die Unterkunftskosten (Hotel) für die ausgewählten Redner.

Einreichungsfrist für Vortragsvorschläge: 31.3.2017
Rückmeldung seitens der Veranstalter: Mitte April 2017

Weitere Informationen: till.dembeck@uni.lu

Einzelheiten zum Vortragsvorschlag:
Titel des Papers
max. 3.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen)
Kontaktadresse (Institut, E-Mail, Telefonnummer und Postanschrift)
4-5 Keywords
Vortragsvorschläge können in deutscher, französischer oder englischer Sprache verfasst sein.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Schwerpunktbereichs „Migration und Interkulturelle Studien (MIS)“ der Fakultät für Sprachwissenschaften und Literatur, Geisteswissenschaften, Kunst und Erziehungswissenschaften der Universität Luxemburg.

Konzept und Organisation: Till Dembeck und Jeanne E. Glesener